16. Juni 2026

Westdeutsche Mütter arbeiten umgerechnet zwei Monate weniger im Jahr als ostdeutsche Westdeutsche Mütter arbeiten weniger als ostdeutsche

Gesellschaftliche Normen im Westen halten Mütter von Vollzeitbeschäftigung ab.

Mütter in Westdeutschland arbeiten im Durchschnitt rund zwei Monate weniger pro Jahr als Mütter in Ostdeutschland. Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung bestehen damit weiterhin deutliche Unterschiede im Arbeitsverhalten von Müttern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Zainab Iftikhar ( Universität Bonn), Bastien Chabé-Ferret (Middlesex University) und JungJae Park (Yonsei University), die vom EPoS Economic Research Center der Universitäten Bonn und Mannheim gefördert wurde.

Zwei Monate Unterschied pro Jahr: Westdeutsche Mütter arbeiten weniger als ostdeutsche
Zwei Monate Unterschied pro Jahr: Westdeutsche Mütter arbeiten weniger als ostdeutsche - Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Zainab Iftikhar ( Universität Bonn), Bastien Chabé-Ferret (Middlesex University) und JungJae Park (Yonsei University), die vom EPoS Economic Research Center der Universitäten Bonn und Mannheim gefördert wurde. © Colourbox.de
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Das ist nicht nur angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels relevant. Das Ergebnis ist auch wichtig, um wirkungsvolle politische Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entwickeln – beispielsweise zur Elternzeit oder Kinderbetreuung. Nach Ansicht der Forscher können wirtschaftspolitische Maßnahmen allein die Erwerbsbeteiligung von Frauen nicht steigern, solange traditionelle Vorstellungen von der Rolle als Mutter dem entgegenstehen

„Wir haben mit dem umfangreichen Datensatz des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2000 bis 2017 simuliert, wie sich wirtschaftliche Anreize und soziale Faktoren auf die Beschäftigungsentscheidungen von Müttern auswirken“, sagt Zainab Iftikhar vom EPoS Economic Research Center. „Ein zentrales Ergebnis ist, dass traditionelle Rollenbilder der Mutter, die zu Hause bleibt und sich um ihre Kinder kümmert, bei weitem der wichtigste Faktor für diese Entscheidungen sind. In den alten Bundesländern ist diese Vorstellung noch immer weit verbreitet und verhindert,
dass politische Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie ihre volle Wirkung entfalten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höhere Löhne berufstätige Mütter in den westlichen Bundesländern teilweise dafür entschädigen, dass sie vom traditionellen Rollenbild abweichen. Die Forschenden warnen, dass politische Maßnahmen, die diese Entschädigung verringern, verstärkte negative Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen haben könnten. 

Erwerbsbeteiligung von Müttern in Ost- und Westdeutschland

Insgesamt ist die Erwerbsquote von Frauen in Deutschland seit der Wiedervereinigung gestiegen und hat sich laut dem Statistischen Bundesamt in beiden Regionen auf rund 75 Prozent angeglichen. Bei Müttern existieren in Ost und West allerdings weiterhin große Unterschiede bei den Arbeitszeitmodellen. Die aktuelle Studie zeigt: Im Westen betrug der Anteil der Mütter mit Kindern unter zwölf Jahren, die in Vollzeit arbeiten, nur etwa die Hälfte im Vergleich zum Anteil im Osten.

Die neuen Bundesländer haben eine Kultur geerbt, in der Mütter voll berufstätig sind. Das spiegelt sich in den Zahlen wider, obwohl der Anteil zwischen den Jahren 2000 und 2017 um etwa 13 Prozentpunkte zurückgegangen ist. In beiden Teilen Deutschlands arbeiten Frauen nach der Geburt von Kindern häufig in Teilzeit. Verschiedene Bundesregierungen haben versucht, Mütter zu längeren Erwerbsarbeitszeiten zu bewegen. Reformen beim Elterngeld oder bei Kinderbetreuungszuschüssen sollten jedoch durch zusätzliche Maßnahmen ergänzt werden, damit Paare die Erziehungsaufgaben gerechter teilen können, so die Forscher.

„Ein Vorschlag wäre, die bestehenden Vätermonate auszuweiten und besser zu vergüten“, sagt Zainab Iftikhar. „Generell lassen sich gesellschaftliche Normen nur schwer verändern. Solange traditionelle Rollenbilder von Vätern und Müttern fortbestehen, können sie die Wirkung wirtschaftspolitischer Instrumente begrenzen.“
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Das vorgestellte Discussion Paper ist eine Veröffentlichung des Sonderforschungsbereichs/Transregio 224 „Economic Perspectives on Societal Challenges“ (TRR 224 EPoS) und wurde nicht im Rahmen eines Peer-Review-Verfahrens begutachtet.

Der vollständige Beitrag mit dem Titel „Economic Incentives or Social Norms? Labor Supply Differentials between East and West German Mothers“ ist auf der Website des TRR 224 EPoS verfügbar.

Pressekontakt

econNEWSnetwork
Sonja Heer
Telefon: +49 (0) 40 82244284
E-Mail: Sonja.Heer@econ-news.de

Wissenschaftlicher Kontakt

Zainab Iftikhar
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Universität Bonn
E-Mail: iftikhar@uni-bonn.de

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