Der Cläre-Tisch-Preis erinnert an die Ökonomin Cläre Tisch (1907–1941), deren wissenschaftliches Werk und Leben eng mit der Universität Bonn verbunden sind. Tisch kam 1926 zum Studium der Volkswirtschaftslehre nach Bonn und wurde bei Joseph A. Schumpeter promoviert. Ihre Dissertation leistete einen bedeutenden Beitrag zu einer der prägenden ökonomischen Debatten ihrer Zeit, nämlich zu der Frage, ob eine zentral geplante Wirtschaft knappe Ressourcen effizient allozieren könne, und fand internationale Beachtung, auch bei Friedrich A. von Hayek und bei Schumpeter selbst. Trotz dieser bemerkenswerten Leistung wurde ihre vielversprechende akademische Laufbahn durch die nationalsozialistische Verfolgung jäh beendet. Als jüdische Wissenschaftlerin wurde sie aus der Wissenschaft verdrängt, nach Minsk deportiert und dort 1941 ermordet.
Mit der Benennung des Preises nach ihr würdigen der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und die BGSE wissenschaftliche Exzellenz und erinnern zugleich an eine Wissenschaftlerin, deren Beiträge dauerhafte Anerkennung verdienen und deren Leben die Bedeutung von akademischer Freiheit, Offenheit und Verantwortung in Erinnerung ruft.
Christina Brinkmann wird in einem kurzen Vortrag ihre ausgezeichnete Forschung vorstellen. Die Manchot Lecture wird anschließend von Professorin Melissa Dell, Andrew E. Furer Professor of Economics an der Harvard University, gehalten.
Christina Brinkmann wird für ihre Dissertation „Essays on Financial and Labor Market Institutions“ ausgezeichnet. Sie wurde 2025 unter der Betreuung von Farzad Saidi und Moritz Kuhn promoviert. Christina Brinkmann ist derzeit Assistant Professor of Finance an der Questrom School of Business der Boston University. Die Auswahlkommission zeigte sich beeindruckt von der außergewöhnlichen wissenschaftlichen Qualität, der methodischen Breite und dem originellen Beitrag ihrer Arbeit. Aus einer modernen empirischen Perspektive wird in der Dissertation untersucht, wie institutionelle Rahmenbedingungen wirtschaftliche Entscheidungen prägen und wie sich diese Effekte in realwirtschaftlichen Ergebnissen niederschlagen.