12. August 2026

Klimaresilienz und soziale Gerechtigkeit im Ahrtal Klimaresilienz und soziale Gerechtigkeit im Ahrtal

Projekt SOZIAHR: Befragung von 70.000 Menschen startet jetzt

Das Forschungsprojekt SOZIAHR der Universität Bonn startet jetzt eine große Bevölkerungsumfrage, um herauszufinden, wie es den Menschen in den fünf Jahren seit der Ahrtalflut ergangen ist. Eingeladen werden etwa 70.000 Menschen, die zum Stichtag der Flut in den Kommunen Adenau, Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Grafschaft gemeldet waren und die heute noch dort wohnen oder seither maximal einmal umgezogen sind. Die Befragung beginnt Anfang August und läuft bis Ende September. Geplant ist, die Ergebnisse im April 2027 zu veröffentlichen.

Ahrtal - Fünf Jahre nach der Flut startet die große Bevölkerungsbefragung
Ahrtal - Fünf Jahre nach der Flut startet die große Bevölkerungsbefragung © © Susanne Bell / Uni Bonn
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Die Menschen werden postalisch angeschrieben und zu ihrer persönlichen Lebenslage und Sichtweise befragt. Sie können dokumentieren, wie sie konkret von der Flut betroffen waren und bis heute betroffen sind. Es gibt Fragen, die den privaten und betrieblichen Wiederaufbau sowie die politischen Einstellungen betroffen. Schließlich fragt SOZIAHR in der Bevölkerungsumfrage auch nach sozialer Unterstützung und nach der politischen Aufarbeitung der Flutkatastrophe.

Antworten der Menschen sind jetzt gefragt

Um belastbare Ergebnisse zu erhalten, braucht das Forschungsteam jetzt die Mitarbeit der Menschen im Ahrtal. Je mehr auswertbare Antworten ankommen, desto besser. Der Fragebogen wurde passgenau auf die Situation der Menschen im Ahrtal zugeschnitten, zusammen mit Betroffenen getestet und dann noch einmal weiterentwickelt. Dadurch wurden auch Folgen wie „tiefe Erschöpfung“ oder „Vertrauensverlust in öffentliche Institutionen“ in den Fragebogen aufgenommen. Die Ergebnisse werden bis April 2027 aufbereitet und dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Bevölkerung im Ahrtal soll Gehör verschafft werden. Politische Debatten über die Prozesse des Wiederaufbaus und die allgemeine regionale Entwicklung sollen unterstützt werden durch die erhobenen Erkenntnisse. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in wissenschaftliche Empfehlungen ein, die aktiv an politische Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen herangetragen werden.

Das Projekt
Soziahr erarbeitet Handlungsempfehlungen für das Ahrtal. Dabei liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Verknüpfung von Klimaresilienz und sozialer Gerechtigkeit. Ziel ist, gesetzliche Regelungen und administrative Prozesse für den privaten Wiederaufbau im Kontext von Extremwetterereignissen insgesamt effektiver zu gestalten. Seit 2024 läuft bereits ein daran angeschlossener Workshop-Prozess mit regionalen Expertinnen und Experten zu den „sozialen Herausforderungen im Wiederaufbau“ in Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetzwerk „Wissenschaft für den Wiederaufbau“ der Hochschule Koblenz zur Unterstützung praxisnaher Lösungsprozesse.

Beteiligt sind am SOZIAHR-Projekt Wissenschaftlerinnen des Exzellenzclusters ECONtribute und des Fachbereich Wirtschaftswissenschaften: Prof. Dr. Hanna Schwank und Prof. Dr. Julia Mink leiten die Forschungsarbeit zu „Auswirkungen der Flut auf Einkommens- und Vermögensungleichheiten“. Prof. Dr. Svenja Hippel ist mit Untersuchungen zu „Klimaschutz und Anpassung im privaten Wiederaufbau“ beteiligt.  Weiter sind beteiligt das Geographische Institut der Uni Bonn, das Center for Advanced Studies in Law and Economics (CASTLE) der Uni Bonn, die Argelander-Professur für das Recht der Nachhaltigkeit und ökologischen Transformation der Uni Bonn sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.

Das Wuppertal Institut 
ist ein umsetzungsorientiertes, auf nationaler und internationaler Ebene arbeitendes Forschungsinstitut mit Wurzeln in Nordrhein-Westfalen und globalem Horizont. Die Forschenden entwickeln wissenschaftlich fundierte Lösungen für ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Dabei arbeitet das Institut eng mit Stakeholdern zusammen, um Transformationen hin zu einer nachhaltigen Welt aktiv mitzugestalten.

Das Projekt wird von 2026 bis 2029 von der Stiftung Mercator gefördert. Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige und gemeinnützige Stiftung, die auf der Grundlage wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung handelt. Seit 1996 tritt sie für eine solidarische und partizipative Gesellschaft ein. Dazu fördert und entwickelt sie Projekte, die Chancen auf Teilhabe und den Zusammenhalt im Gemeinwesen verbessern. Die Stiftung Mercator setzt sich für ein handlungsfähiges und demokratisches Europa ein, eine an den Grundrechten orientierte digitale Transformation von Staat und Gesellschaft sowie eine resiliente, sozial ausgewogene Klimapolitik. Dies lässt sich nur in einer liberalen Demokratie verwirklichen, welche die Stiftung Mercator verteidigen und festigen will – wie es ihr Motto zusammenfasst: #WirstärkenDemokratie. Sie engagiert sich in Deutschland, Europa und weltweit. Dem Ruhrgebiet, Heimat der Stifterfamilie und Stiftungssitz, fühlt sie sich besonders verbunden.

Susanne Bell M. A. 
Projektleitung SOZIAHR

Geographisches Institut, AG Kulturgeographie

Meckenheimer Allee 166, 53115 Bonn
E-Mail: sbell@uni-bonn.de
www.soziahr.uni-bonn.de 

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